Fotos einer Generation, die in den Krieg zog: Unterrißdorf und der Erste Weltkrieg

Vor einigen Tagen hatte ich die Gelegenheit die Ehrentafel für die Gefallenen u. Kriegsteilnehmer des Weltkriegs 1914/18 – Gemeinde Unter-Rihsdorf zu fotografieren.

Unterrißdorf (GOV-Eintrag) ist mittlerweile ein Ortsteil von Eisleben. Auf der Tafel aus stabiler Kartonage werden die Teilnehmer des Ersten Weltkriegs aus dem Ort namentlich und mit Foto dargestellt. Die Gefallenen sind in der Mitte in einem schwarzen Kreuz und an dessen Rändern gesammelt.

Obwohl das Dorf 1910 nur 569 Einwohner zählte, wurden im Verlauf des Krieges 71 Männer mobilisiert, von denen 22 fielen und einer als vermisst bezeichnet wird.

Die Ehrentafel der Kriegsteilnehmer des Ersten Weltkrieges aus Unterrißdorf (zum Vergrößern anklicken)

Die Ehrentafel der Kriegsteilnehmer des Ersten Weltkrieges aus Unterrißdorf (zum Vergrößern anklicken)

Nach dem Verlust der Personalunterlagen der preußischen Armee im Februar 1945 dürfte die Tafel die einzige verbliebene Möglichkeit sein, zahlreiche Kriegsteilnehmer des Ortes zu benennen. Sowohl in den Verlustlisten als auch auf dem Kriegerdenkmal werden einige auf der Tafel nicht verzeichnete Personen genannt. Bei den Einträgen in den Verlustlisten dürfte es sich um im Ort geborene und später verzogene Kriegsteilnehmer handeln.

Beim Betrachten fallen einige Bildmontagen auf, etwa Uniformbestandteile von anderen Fotos sowie nachgemalte oder auch ergänzte Details an Kragen und Knopflöchern.

Der Erhaltungszustand der Tafel ist schlecht – die Kartonage ist gewellt, geknickt und durch Wasserflecken ebenso beschädigt wie durch Farbe und Vogeldung.

Zur Provenienz der Ehrentafel kann ich ebenso wenig sagen, wie zu Urheber und genauer Entstehungszeit.

Habt ihr Fotos von Menschen, die morgen niemand mehr zuordnen kann? Stellt sie online, jetzt oder nie. Habt ihr Ergänzungen zu den hier Genannten – kommentiert einfach unter dem Beitrag.

Gefallene Soldaten

  • Aehle, A. (25. IX. 15)
  • Bauer, O. (15. VI. 17)
    • auf Denkmal als Oswald Bauer
  • Dietrich, P. (12. VIII. 16)
    • auf Denkmal als Paul Dietrich
    • Verlustlisten: Grenadier-Regiment Nr. 5, 12. Kompanie, gefallen
  • Dietz, O. (27. VII. 15)
    • auf Denkmal als Oswald Dietz
  • Ehrgott, P. (gest. 16. VII. 16)
    • auf Denkmal als Peter Ehrgott
    • die einzige Person dieses Namens in den Verlustlisten stammt aus
      Ruppertsweiler und ist 1916 gefallen
  • Ehricht, P. (15. III. 15)
    • auf Denkmal als Paul Ehrichl (laut Abschrift)
    • Verlustlisten: Füs. Paul Ehricht, Füsilier-Regiment Nr. 36, 7.
      Kompanie, aus Eisleben, gefallen am 15.3.15
  • Ehring, P. (25. X. 14)
    • auf Denkmal als Paul Ehring
    • Verlustlisten: Utffz. d. R., Infanterie-Regiment Nr. 113., 5. Kompanie, 1914 leicht verwundet, im Festgs. Laz. Ev. Stift St. Martin in Koblenz am 25.10.14 verstorben
  • Eisfeld, Fr. (11. VIII. 18)
    • auf Denkmal als Friedrich Eisfeld
    • die Verlustlisten geben für 1918 einen in Helfta geborenen Friedrich
      Eisfeld als vermisst an
  • Heidenreich, P. (31. XII 22)
    • auf Denkmal als Peter Heidenreich
  • Ignaszewski, J. (26. VII. 16)
    • auf Denkmal als Josef Jonaszewski (laut Abschrift)
    • die Verlustlisten kennen einen in Eisleben geborenen und 1916 als
      Angehörigen des Infanterie-Regiments 146, 7. Kompanie) gefallenen Josef Ignaszewski
  • Ignaszewski, S. (21. IX. 15.)
    • auf Denkmal als Siegfried Jonaszewski (laut Abschrift)
    • die Verlustlisten geben 1915 den Tod des in Eisleben geborenen
      Sylvester Ignaszewski an, Reserve-Infanterie-Regiment 261, 12.
      Kompanie
  • Kirschbaum, J. (28. X. 1…)
    • ohne Foto
    • auf Denkmal als Johannes Kresehbaum (laut Abschrift)
    • Verlustlisten: geboren am 24.2, am 28.11.14 gefallen
  • Klapproth, R. (26. XI. 15)
  • Knothe, E. (28. IX. 18)
  • Kunze, O. (26. I. 16)
  • Listing, O. (gest. 1. V. 20)
  • Pissors, O. (5. VIII. 17)
    • auf Denkmal als Otto Dissous (laut Abschrift)
    • Verlustlisten: 1916 leicht verwundet, Infanterie-Regiment Nr. 46, Maschinengewehr-Kompagnie, 1917 gefallen, dort als Gefreiter, geboren am 26.2.
  • Reinicke, L. (21. III. 16)
    • auf Denkmal als Ludewig Heinecke (laut Abschrift)
    • Verlustlisten: als Reinecke, Ludwig, Füsilier-Regiment Nr. 36, 12. Kompanie, 1916 gefallen
  • Scharf, F. (4. VII. 17)
    • auf Denkmal als Friedrich Scharf
    • in den Verlustlisten taucht ein 1917 gefallener, am 1.2.87 in Helfta geborener Soldat dieses Namens auf
  • Schubert, E. (23. VI. 18)
  • Schöppe, O. (26. VI. 17)
  • Seespeck, W. (verm. 7. VII?. 14)
    • auf Denkmal als Walter Seespeck
    • Verlustlisten: Füsilier, Füsilier-Regiment Nr. 36, 11. Kompanie, 1915 als verwundet gemeldet, später als seit dem 7.9.14 vermisst gemeldet.
  • Willing, O. (8. X.? 14.)

Folgende Namen vom Denkmal sind auf der Tafel nicht enthalten:

  • Otto Eikardt (1915)
  • Otto Hohmann (1917)

Weitere Soldaten aus dem Ort

  • Ackermann, E. (ohne Foto)
  • Baumann, K.
  • Becker, G.
  • Bensing, Fr.
  • Bensing, Fr.
  • Berend, K.
  • Berger, A. (ohne Foto)
  • Dietz, E.
    • Eintrag in den Verlustlisten zu Dietz, Ewald: Infanterie-Regiment Nr. 27, 6. Kompanie, 1915 schwer verwundet
  • Dietz, L.
  • Dietz, R.
  • Eisfeld, Fr.
  • Freitag, O. (ohne Foto)
  • Grohle(?), O.
  • Hechler, P. (ohne Foto)
  • Heidenreich, O.
  • Hellwig, L.
  • Hirschbaum, F.
  • Hohenstein, W.
  • Hotzel, L.
  • Ignaszewski, St.
  • Keitel, P.
  • Kieling, H.
  • Klemm, W.
  • Knothe, P. (ohne Foto)
  • Knöfler, K.
  • Kramer, W.
  • Lehmann, K.
  • Lehmann, W.
    • Eintrag in den Verlustlisten zu Lehmann, Willi: Husar, Husarenregiment Nr 14, 3. Eskadron, 1914 schwer verwundet.
  • Listing, P.
  • Oertel, H.
  • Oswald, R.
  • Petschaft, A. (ohne Foto)
  • Reinhardt, O.
  • Reinicke, A.
  • Reinicke, K.
  • Richter, A.
  • Samtleben, P.
  • Scharf, H.
  • Scharf, O.
  • Schmidt, K.
  • Schnelle, G. (ohne Foto)
  • Schulze, K.
  • Schulze, O.
  • Schulze, W.
  • Spanier, O.
  • Weinreich, G.
  • Weinreich, P.
  • Wiese, K

Die Ehrentafel des Reserve-Infanterie-Regiments 36

Titel

Ehrentafel des Reserve-Infanterie-Regiments 36

Als weiterer Beitrag zur Geschichte des Reserve-Infanterie-Regiments 36 ist im Blog nun eine Liste mit 2155 Namen aus der Regimentsgeschichte von Eduard Schneider1 verfügbar.

Die Liste kann als Ergänzung zu den offiziellen Verlustlisten des Ersten Weltkrieges, digitalisiert verfügbar beim Verein für Computergenealogie, Personenstandsunterlagen und Sekundärquellen genutzt werden. Sie enthält Gefallene sowie in Folge von Verwundung oder Krankheit und in Gefangenschaft verstorbene Soldaten.

Die Liste enthält meist folgende Angaben:
– Truppenteil
– Nachname
– Vorname
– Dienstgrad
– Wohnort
– Todes- oder Vermisstendatum und -ort
– ggf. Informationen zu vorherigen Verwundungen
– ggf. Informationen zur Gefangenschaft, dann oft ohne Angabe von Todesdatum und Ort

Wer einen Eintrag von Interesse findet, kann die Richtigkeit des Eintrags in den verlinkten Scans prüfen. Sollten Fehler aufgetreten sein, so freue ich mich über Hinweise.

Zur Liste: Ehrentafel des Reserve-Infanterie-Regiments 36


  1. Eduard Schneider: Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 36 – 4 Jahre Westfront, Mit einer Ehrentafel, 175 Bildern und 26 Stellungsskizzen. Winkler, Eisleben (Lutherstadt) 1930. (WorldCat

Fotosammlung: Reserve-Infanterie-Regiment 36

Stabsarzt Dr. Günther und Ass. Arzt Dr. Walter mit den Sanitäts-Unteroffizieren und -Mannschaften des I.

Bildquelle: Eduard Schneider: Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 36 – 4 Jahre Westfront. Winkler, Eisleben (Lutherstadt) 1930.

Begleitend zum Blog Ahnenfunde gibt es nun ein gleichnamiges Flickr-Konto. Ich werde auf Flickr gelegentlich gescannte Bilder und Fundstücke von genealogischem und historischem Interesse veröffentlichen.

Flickr bietet eine kostenlose Plattform mit praktisch unbegrenztem Speicherplatz und die Möglichkeit zur Kategorisierung von Bildern. Das Hochladen und Bearbeiten von Bildserien ist komfortabel und kann auch durch externe Programme bewerkstelligt werden. Ein weiterer Grund für Flickr ist die anzunehmende längerfristige Verfügbarkeit der Uploads bei einem etablierten Anbieter.

Das erste Album Eduard Schneider, Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 36 (1930) umfasst die 168 Bildern aus dem Anhang des Buches Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 36 – 4 Jahre Westfront.1 Neben Aufnahmen von Orten an der Westfront des Ersten Weltkrieges finden sich auch Gruppen- und Einzelfotos von Angehörigen des RIR 36, sehr oft mit Angaben von Namen. Die entsprechenden Bildunterschriften wurden für gute Auffindbarkeit abgeschrieben. Die Güte der Scans ist aufgrund der Qualität der Buchvorlage nur mäßig gut.

Ich freue mich über Ergänzungen und Korrekturen zu dargestellten Personen und Orten über Mail oder die Kommentar-Rubrik bei Flickr ebenso, wie über Hinweise zu weiterem Bildmaterial zum Reserve-Infanterie-Regiment 36.

Auf größere Ergänzungen der Fotosammlung werde ich im Blog hinweisen.


  1. Eduard Schneider: Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 36 – 4 Jahre Westfront, Mit einer Ehrentafel, 175 Bildern und 26 Stellungsskizzen. Winkler, Eisleben (Lutherstadt) 1930. (WorldCat