FoKo – die unterschätzte Datenbank für Forscherkontakte

Zu den beliebtesten Beiträgen in Genealogie-Foren gehören Namenslisten, in denen meist nach Orten gruppiert Familiennamen von Interesse für den Austausch aufgelistet werden:

Neustadt: Müller, Meyer
Neukirchen: Schmidt, Schneider
Mühlhausen: Weber
Mühlheim: Schulze

Eine solche Liste ist schnell erstellt, führt oft zu tausenden Aufrufen über die Zeit und auch zu Forscherkontakten. Im Verhältnis zu den Aufrufzahlen sind diese „Treffer“ aber eher selten, was verschiedene Gründe hat:

  • Die Daten sind nicht strukturiert. Wer im Forum oder mit einer Suchmaschine nach Schmidt Neustadt sucht, findet die Liste ebenso wie der, der nach Müller Mühlhausen sucht.
  • Die Angaben bzw. ihre Abfrage sind nicht zeitlich eingeschränkt: Oft gibt es Lücken über Generationen, in denen die ursprüngliche Familie Schulze den Ort verlassen und eine andere Familie gleichen Namens sich niedergelassen hat.
  • Die Ortsangaben sind nicht eindeutig.
  • Der Einsteller ist nicht mehr im Forum aktiv und kann anderweitig nicht erreicht werden.

All diese Einschränkungen adressiert eine wenig bekannte Plattform für den Austausch von Forscherkontakten: FoKo, die Aktion Forscherkontakte der Deutsche Arbeitsgemeinschaft genealogischer Verbände (DAGV).

Wie funktioniert FoKo?

Forscher A gibt an, in welcher Zeitspanne er zu welchem Familiennamen in welchem Ort forscht. Für eindeutige Ortsangaben sollte die „GOV-Kennung“ aus dem Genealogischen Orts-Verzeichnis (GOV) verwendet werden.

Forscher B findet den Eintrag über eine FoKo-Suchanfragen, über die Suchmaschine seiner Wahl oder aber über die CompGen-Metasuche, mit der neben FoKo auch etwa Adressbücher, Verlustlisten oder Online-Stammbäume aus GEDBAS durchsucht werden. Findet er einen interessanten FoKo-Eintrag, so gibt er seine Mail-Adresse ein, erhält die Kontaktdaten des Einsenders zugeschickt und kann sich mit diesem austauschen.

Was sind die Vorteile gegenüber Online-Stammbäumen?

FoKo dient nicht der Anzeige von Forschungsergebnissen im Sinne von Stammbäumen, sondern vermittelt Forschungskontakte. Es werden Anknüpfungspunkte geboten, ohne dass Genealogien online verfügbar gemacht werden müssen und ohne Kontakt übernommen werden können. Was letztlich ausgetauscht wird, liegt im Ermessen der Teilnehmer.

Wen finde ich bei FoKo?

Sowohl zumeist langjährige Genealogen als auch Archivquellen im Bestand genealogischer Vereine. Meine FoKo-Kontaktaufnahmen wurden fast ausnahmslos beantwortet, meist sehr sachkundig. Meiner Erfahrung nach ist die Antwortquote deutlich höher als bei Nutzern kommerzieller Stammbaum-Plattformen und Daten sind auch häufiger selbst erforscht als von Dritten oder aus Sekundärquellen übernommen.

Wie gebe ich Informationen bei FoKo ein?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Daten bei FoKo zu ergänzen: Direkt über ein Online-Formular, über eine mit einem Tabellenkalkulationsprogramm wie Excel erstellte Tabelle oder über den Export aus einem Genealogie-Programm (Liste von kompatiblen Programmen).

Was kostet FoKo?

FoKo ist kostenlos nutzbar. Für die Einstellung eigener Daten ist eine ebenfalls kostenlose Anmeldung erforderlich.

Ausblick

Die FoKo-Datenbank erhält zwar 1.301.751 Datensätze (Stand 14. März 2015), doch es fehlt an Wachstum und Nutzung. Mit Foren und Online-Stammbäumen haben sich Alternativen zum Austausch aufgetan, die zwar die simple Zielsetzung von FoKo – die strukturierte Bereitstellung von Forscherkontakten – nicht erfüllen, sich gleichwohl als Kommunikationsplattform erster Wahl andienen.

FoKo fehlt es darüber hinaus an Öffentlichkeit und Weiterentwicklung. Die Dateneingabe könnte weiter vereinfacht, die Oberfläche der Plattform modernisiert werden.

Einige deutsche Genealogie-Programme bieten zwar die Möglichkeit solche Datensätze zu exportieren, von internationalen Anbietern oder gar kommerziellen Stammbaumplattformen ist eine solche Schnittstelle aber nicht zu erwarten. Diese Einschränkung könnte mit einer automatischen Erstellung von FoKo-Datensätzen aus einer Gedcom-Datei durch FoKo selbst umgangen werden – unabhängig von Programm und Betriebssystem. Die ausgelesenen FoKo-Vorschläge könnten aus- oder abgewählt und inhaltlich angepasst werden, bevor sie nach dem Speichern in die Datenbank aufgenommen werden.

Bei der manuellen Eingabe von Ortsdaten könnten Vorschläge aus dem Genealogischen Ortsverzeichnis eine direkte Auswahl des gewünschten Ortes ermöglichen und so das manuelle Heraussuchen des GOV-Identifiers ersparen.

Werbung etwa in Computergenealogie – Zeitschrift für Familienforschung, auf den Seiten der genealogischen Vereine als auch das direkte Ansprechen von Vereinsmitgliedern in Newslettern u. ä. könnte den Bekanntheitsgrad von FoKo erneut verbessern und die Anzahl der Datensätze ebenso erhöhen wie die Anzahl der Abfragen.

Bis zum 31. März 2015 läuft eine Umfrage der DAGV zu FoKo, auf deren Grundlage das Projekt modernisiert werden soll. Rege Teilnahme ist erwünscht: FoKo-Umfrage.

Doch wir können mehr tun: Die FoKo-Datenbank mit unseren Daten ergänzen, nach Anknüpfungspunkten suchen und so noch mehr individuelle FoKo-Erfolgsgeschichten schreiben.

Lasst uns FoKo-Einträge anlegen!

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